Giro Donne 2021 – Etappe 1 und 2

Wo wir an Tag 1 in der TTT ein wenig zu kurz kamen, haben wir das im Etappe 2 nach Prato Nevoso, ‚drei Doppel‘ wettgemacht…

Als wir heute Morgen auf dem Team Performance Podium (Etappe 2 – 03.07) standen und ich hörte, wie alle unsere Team SD Worx Fahrer auf Italienisch mit der entsprechenden Ehrenliste benannt wurden, musste ich mich eine Weile konzentrieren, um nicht emotional zu werden. Denn Mann, was für eine Ehre es ist, in einem so starken Team zu fahren und wie schnell es ging…

Vor zwei Jahren stand ich da, wie ein „Broekie“, ein „Neuling“, mit einem sehr netten Team (Team Parkhotel Valkenburg). Das war mein erste Giro Donne, in meinem ersten Profijahr.
Letztes Jahr, 2020, bin ich nicht beim Giro Donne gefahren, aber jetzt bin ich hier mit so einem Mega-Team… Und ich habe selbst nicht die schlechtesten Beine, das habe ich bewiesen! Ich bin stolz, stolz, Teil dieser feinen Gruppe von Spitzensportlern und Mitarbeitern zu sein. Stolz, dass ich es bis jetzt so schnell geschafft habe. Das macht mich auch dankbar!

Persönlich war ich mit unserem Mannschaftszeitfahren gestern (Etappe 1 – 02.07 – TTT) nicht ganz unzufrieden, obwohl es für Anna, Chantal und Danny das schlechteste Mannschaftszeitfahren aller Zeiten war. Für mich war es eines meiner besten, wenn nicht das am besten. Ich bin noch nie in so einem starken Team gefahren, so ein Zeitfahren, ja, ich habe natürlich auch gesehen, dass wir am Ende richtig Mist gebaut haben, aber ich glaube, das war als neues Team zusammen, nicht so schlecht. Es ist einfach eine mega schwierige Disziplin und ich denke man hört nie auf in dieser Disziplin zu lernen. Ich denke man wird fast nie ein perfektes Teamzeitfahren fahren. Das ist einfach sehr schwer und selten und deshalb sehe ich gestern vor allem als gute Lektion!

Heute (Etappe 2 – 03.07 – Bergankunft Prato Nevoso) war etwas Besonderes!

Das habe ich also schon kurz vor dem Rennen gespürt, auf dem Podium bei der Teampräsentation. Ich habe mich im Rennen nicht so gut gefühlt. Gewöhnung an die Hitze denke ich, vielleicht ein paar verrückte Beine nach dem gestrigen TTT. Glücklicherweise konnte ich mit der hübschesten Betreuer (meinem Freund Jan) unterwegs eine Kaltwasserflasche handhaben! Das hat mich am Anfang wachgehalten!

Doch plötzlich war da die Vorfahrt zum letzten Anstieg zum Wintersportgebiet Prato Nevoso. Chantal (Blaak) und Elena (Checcini) gaben dem verbleibenden Peloton ein Killertempo vor. Das gab mir die ganze Motivation, vorne und wachsam zu bleiben.

Zu Beginn des Anstiegs flog Niamh (Fisher Black) davon und verletzte alle. Es lag an anderen, die Führung zu übernehmen und zu versuchen, die Lücke zu unserem Rennkletterer zu schließen. Als Niamh zurückgeholt wurde, war ein weiterer Rennkletterer in unserem Team an der Reihe: Ashleigh (Moolman-Pasio). Sie hat wieder alle verletzt. Dann war die beste Klettererin an der Reihe, unsere Weltmeisterin: Anna (van de Breggen). Im Nu war sie geflogen und auf dem Weg zu einem schönen Solo. Ashleigh fuhr hinter Anna vor der restlichen Gruppe und sah mir die ganze Zeit beim Fahren zu. Ich habe jedoch nichts weiter getan, als alle hinter ihr zusammenzufegen, und ich habe ordentlich in den Rädern der Konkurrenz gewartet. Ein Angriff in meiner Gruppe war mein perfekter Moment. Ich sprang hinterher und dann gleich wieder drüber und hatte ein Loch. Die Konkurrenz kam unter anderem von Cavalli und García, sie kamen fast wieder an mein Rad. Ich habe mein Tempo ein wenig verringert, also haben sie es auch verringert, und dann bin ich noch einmal gegangen. Jetzt konnte ich mich befreien und nur Cavalli hielt gut, 50-100m hinter mir. Schließlich kam sie stark in mein Rad zurück, woraufhin ich aufhörte zu fahren. Jetzt lag es an ihr, denn Ashleigh fuhr immer noch in unseren Augen.

Wir hatten viel Zuspruch auf dem Weg, vor allem natürlich für Cavalli, denn sie ist Italienerin. Die meisten Leute riefen: „Dai dai dai Cavalli!“.

An einigen Ecken wurden mein Name und der des Rests des Teams jedoch groß auf die Straße gemalt. In der letzten Kurve vor dem Ziel hatte ich sogar die besten Fans, die mich anfeuerten! Wenn ich bei diesem harten Aufstieg Zweifel an meinem Können gehabt hatte, verschwanden sie wie Schnee in der Sonne mit diesen bekannten Gesichtern entlang der Strecke. Vor allem, wenn einer von ihnen meine große Liebe ist…!

Noch 250 Meter bis ins Ziel… Einen Moment lang zweifelte ich, ob ich den Kampf um Platz 3 Cavalli überlasse, damit sie mit ihren Fans im eigenen Land eine Party feiern kann. Aber wie konkurrenzfähig ich bin, das konnte ich nicht zulassen. Ich blieb bis etwa 200 Meter vor der Ziellinie in ihrem Rad und sprintete dann an ihr vorbei…

Sie nennen es einen sauberen Sweep! A 1, 2, 3 für Team SD Worx! Nach einem 15 km langen Anstieg hatten wir uns und uns gegenseitig wehgetan. Dass wir uns gegenseitig verletzen, macht uns auch stärker und ist das was uns zu einem so starken Team macht! Du weißt, was deine Teamkollegen können und darauf basierend weißt du auch, was du selbst tun kannst. Wir machen uns gegenseitig stark!! Auf zu den nächsten Etappen!

Nun ist es Zeit für eine lange Fahrt von 2 Stunden, bevor wir im nächsten Hotel sind. Das gibt mir auch Zeit, diesen Blog für Euch zu schreiben. Nach Ankunft im Hotel: Massage, Abendessen und ins Bett!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.