Vom Floristin zum Radprofi

Demi Vollering: Von der Schnitthortensie zum größten Radsport-Team der Welt

Sie wuchs zwischen den geschnittenen Hortensien in Pijnacker auf und bis vor kurzem schien auch ihre Zukunft dort zu liegen, in der Blumengärtnerei ihres Vaters und ihres Onkels. Heutzutage verbringt Demi Vollering jedoch mehr Zeit in den französischen Alpen. „Ich mag die Berge. Ich bin immer neugierig; Wie würde es aussehen, wenn ich oben wäre?“

Der Samstag beginnt mit den niederländischen Nationalmeisterschaften auf der Straße, dem zweiten Teil ihres erfolgreichen Jahres, in dem sie sich auf den Giro Rosa und vor allem auf die Olympischen Spiele freut.

Vollering träumt davon: ‚Wie würde es aussehen, wenn ich da oben wäre?‘

Das Leben kann manchmal eine unerwartete Wendung nehmen. Bis vor kurzem habe die Gewinnerin von Lüttich-Bastogne-Lüttich „sehr schöne Sträuße“ gemacht, sagt ihr Vater Kees Vollering. „Sie ist sehr kreativ, genau wie ihre Mutter. Sie arbeitete auch in einem Blumenladen und nahm an einem Blumenarrangement-Kurs teil.“

Neben dem Arrangieren war Vollering, heute 24 Jahre alt, mit Sport, hauptsächlich aber mit Skaten beschäftigt. Bis ihr Freund sie zum Radfahren überredete. „Eigentlich hat sie sich erst vor drei Jahren entschieden: Ich möchte Radprofi werden. Bis 2019 zweifelte sie noch.“

Und nun geht Vollering als einer der vier niederländischen Titelkandidaten im Namen des besten Radsportlandes der Welt nach Tokio. Sie konnte es selbst kaum glauben, als es herauskam und bedankte sich über ihre Social-Media-Kanäle bei allen.

Anfang 2019 bekam sie eine Chance im kleinen Parkhotel Valkenburg Team und stach gleich bei ihren ersten Schanzenklassikern heraus. Sie fuhr mit den Besten mit, wurde Siebte beim Amstel Gold Race und sogar Dritte in Lüttich.

Das größte Radsportteam der Welt, damals Boels-Dolmans genannt, hatte genug gesehen.

„Wichtig, dass Chantal und Anna mich wollten“

„Ich hatte schon mehrere Gespräche mit anderen Teams geführt“, erinnert sich Vollering. „Und ich war damals in der Schweiz. Daher war es schwierig, im wirklichen Leben zu sprechen. Sie kamen aus den Niederlanden mit dem Auto zu mir.“

Manager Erwin Janssen, Teamleiter Danny Stam und die zukünftigen Teamleiter Anna van der Breggen und Chantal Blaak stiegen in ein Auto, um Vollering zu überzeugen, für den aktuellen SD Worx zu verpflichten.

„Das war ein sehr gutes Gefühl. Es ist wichtig, dass sie, Chantal und Anna, mich wollten. Es fühlte sich gleich beim ersten Treffen richtig gut an. Es fühlte sich an wie eine Art Familie.“

Vollering gratuliert Van der Breggen zu ihrem WM-Titel im vergangenen Jahr in Imola

Ihre eigene Familie schaute erstaunt zu. „Wir hatten eher im Hinterkopf, dass sie für ihre Schwester Bodine Reiterin wird. Weil sie früher alle Fat-Reifen-Rennen gewonnen hat. Demi war auch gut, aber sie hat nicht alles gewonnen. Ihre Schwester überquerte manchmal lachend die Ziellinie, vier oder fünf Minuten bevor die Nummer zwei kotzend die Ziellinie überquerte. Dann weißt du, dass sie Talent hat.“

Charakter

„Aber Demi hat mehr meinen Charakter. Sie ist hart, sie wird in den sauren Apfel beißen. Das brauchst du auch, nicht wahr. In der Grundschule muss ich sagen, sie hat sich mal aufgeschrieben, dass sie Radlerin werden möchte. Ja. Sie war also immer an etwas beteiligt.“

Demi Vollering INSTAGRAM / @DEMIVOLLERING
https://www.instagram.com/demivollering/

Jetzt weiß sie, was sie will. Das sagt sie auch aus ihrem Trainingslager in Tignes, wo sie sich in den letzten Wochen auf einen arbeitsreichen Sommer vorbereitet hat, der am Samstag mit den niederländischen Nationalmeisterschaften fortgesetzt wird.

Großer Reiter

„Ich möchte vor allem eine großartige Reiterin sein“, sagt Vollering, die bisher zweimal gewonnen hat: in ihrem Debütjahr 2019 bei der Giro ‚dell Emilia-Rundfahrt und in diesem Jahr in Lüttich-Bastogne-Lüttich.

„Ein großartiger Fahrer zu sein bedeutet natürlich, dass man viel gewinnen muss, aber auch, dass man die Leute begeistern muss. Menschen berühren den Sport. Wie? Indem ich meine Geschichte erzähle. Dass Sie träumen und an das glauben sollten, was Sie wollen. Dass man wirklich immer dafür kämpfen muss. Dass Sie nicht für weniger gehen sollten. Wenn man einen Traum hat, um etwas zu erreichen, muss man sehr hart dafür arbeiten.“

Obwohl sie den Charakter einer Kämpferin hat, strahlt sie eher Ruhe als Elan aus. Sie macht auch viel Yoga. „Du hast hier nichts. Sie sind hier sehr abgeschieden. Du putzt nicht, du gehst eine Weile nicht in die Stadt. Ich mache gerne Yoga. Ich mache immer viel Dehnen und Dehnen. Wenn du auf dem Fahrrad bist, kannst du manchmal so steif werden. Yoga macht immer frisch. Das sorgt immer dafür, dass ich mich etwas schneller erhole.“

„Diese Aussicht“, fährt sie fort und blickt zurück auf die Berge. „Ich bin immer neugierig: Wie wird es aussehen, wenn ich oben bin? Oder wie sieht es aus, wenn ich dort um die Ecke biege? Die Berge stehen für Abenteuer, für Freiheit.“

Die niederländische Meisterschaft der Frauen auf der Straße mit Demi Vollering am Start ist am Samstag ab 12:00 Uhr auf NOS.nl, der NOS-App und NPO 1 zu sehen. Die Männer fahren am Sonntag.

So ist sie oft weg von Südholland, auch weil ihr Freund in der Schweiz arbeitet und lebt. Aber ihr Bett ist noch zu Hause. „Eine Woche ist sie hier, die nächste Woche nicht“, sagt ihr Vater, der ein Schluchzen unterdrücken muss, wenn er an ihre Entwicklung denkt.

Voll schießen

„Dass es auch wahr wird, dass sie zu den Spielen gehen kann. Ich finde es schrecklich schön. Ja, ich muss aufpassen, dass ich nicht alle Geschichten lese, denn dann werde ich satt. Sie hoffen, dass es Ihrem Kind gut geht, es dann aber auch schafft…“

Und wer weiß, vielleicht folgt auch ihre Schwester Bodine. „Sie studiert jetzt, also hat das Radfahren weniger Aufmerksamkeit, aber es kann immer noch kommen. Dass sie beide bald bei den Spielen dabei sein werden, das wäre toll.“

Demi-Wein?

Zwischen den 71.000 Quadratmetern geschnittenen Hortensien der Kwekerij Vollering in Berkel en Rodenrijs wurden kürzlich Traubenbüsche hinzugefügt. „Ich habe letztes Jahr damit angefangen“, sagt Kees Vollering.

„Ich experimentiere noch. Was funktioniert gut und was nicht? Wir haben sowohl weiße als auch rote Trauben. Dann müssen Sie z. B. an Cabernet Sauvignon und Merlot denken. Wir gehen davon aus, im nächsten Jahr die ersten Weine vermarkten zu können. Wenn es wirklich ein geschmackliches Juwel ist, nenne ich es Demi.“

 

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